Wir bauen eine Modellbahnanlage

  • Die Tage werden kürzer und die Nächte länger und kälter. Damit beginnt auch die Modellbahnzeit. Zeigen Sie einmal was Sie drauf haben und bauen Sie eine Modellbahnanlage für den Zugverkehr, eine Verkehrsanlage für den Autoverkehr oder beides. Auch wenn Sie totaler Anfänger sind, bringen wir Sie in den Genuß einer solchen Anlage. Je nach Interesse wählt man die Größe 0, H0, TT, N oder Miniclub. Eine Modellbahnanlage kann mit oder ohne Landschaft gebaut werden.
    Was braucht man für eine Modellbahnanlage?

    Für eine einfache Modellbahnanlage braucht man Gleise, Loks, Wagen und zumindest einen Modellbahntrafo für die Stromversorgung. Gleise baut man lieber nicht auf dem Teppichboden, sondern auf einer Sperrholzplatte auf. Nur eine ovale Gleisstrecke wird schnell langweilig, wenn nur ein Zug im Kreis herumfährt. Wer keinen Platz für eine Modellbahnanlage hat, stellt sie mit der Platte nach dem Betrieb an die Wand. Dazu müssen die Gleise gut befestigt sein.
    Die große Bahn ist unser Vorbild für die Modellbahnanlage. Da gibt es Bahnhöfe mit Weichen und Signalen. Auch auf der Modellbahnanlage können auf der Strecke nach dem Bahnhof Blocksignale aufgestellt werden.
    Der Bahnhof
    Eine interessante Modellbahnanlage sollte mindestens einen Bahnhof mit einigen Gleisen haben. Zwei Gleise sind das Minimum. Also nehmen wir zunächst zwei Weichen und bauen zwei Bahnhofsgleise. Links und rechts von jedem Bahnhofsgleis sollte in Fahrtrichtung rechts an den Weichen je ein Isolierschienenverbinder eingebaut sein. Kurz vor dem Ende (etwa 30 cm) sollte noch in jedes Bahnhofsgleis ein dritter Isolierschienenverbinder eingesetzt werden, damit ein abschaltbarer Halteabschnitt entsteht. Diese Halteabschnitte kann man dann im Betrieb mit einem kleinen Schalter von der Stromversorgung abschalten, damit dort die Lok stehenbleibt. Im Fahrbetrieb wird immer nur ein Bahnhofsgleis eingeschaltet, weil auf den anderen auch Züge stehen könnten, die dann gleichzeitig losfahren. Mit einem Schalter mit zwei Kontakten läßt sich gleichzeitig ein Ausfahrsignal von Rot auf Grün oder von Halt auf Fahrt stellen. Dann sieht man stets, welches Gleis eingeschaltet ist. Wenn Sie dann noch auf der Strecke nach dem Bahnhof einige Blocksignale mit Zugbeeinflussung aufstellen, haben Sie bereits einen recht interessanten Zugbetrieb.
    Bild 1 zeigt eine alte Modellbahnanlage in Größe H0 (Maßstab 1:87) mit drei Gleisebenen.
    Bild 2 ist eine H0-Anlage mit dem Namen "Sulzgries" mit zweigleisiger Strecke.
    Bild 3 zeigt eine H0-Anlage mit dem Namen "Sulzgries" mit zweigleisiger Strecke, viergleisigem Bahnhof und 4-gleisigem Abstellbahnhof auf drei Gleisebenen, Abmessungen 2,5 x 1,2 Meter im Bau.
    Im Bild 4 ist sie fast fertiggestellt. Auf der Anlage verkehren bis zu vier Züge gleichzeitig.
    Bild 5 ist ein Gleisplan für eine Anlage auf drei Ebenen wie die H0-Anlage Sulzgries, aber ohne Abstellbahnhof.
    Bild 5a ist eine Gleisanlage mit zusätzlicher Strecke auf 4 Ebenen. So können Sie mit vier Sperrholzplatten auf kleinstem Raum eine lange zweigleisige Strecke aufbauen. Für H0 genügen Abmessungen von 1,4 x 2,5 Meter.
    Bild 6 ist eine erweiterbare N-Anlage, die als Ausstellungsanlage dient.
    Bild 7 ist eine Z-Anlage mit zweigleisiger Strecke, mit 3-gleisigem Bahnhof und 3-gleisigem Abstellbahnhof (Schattenbahnhof). Im Bild 9 ist die Z-Anlage
    Im Bild 8 ist die Z-Anlage fast fertiggestellt. Es fehlt noch die Landschaft.
    Bild 9 zeigt die H0-Anlage und Z-Anlage im Größenvergleich.
    Als Planungsmethode zeigt Bild 10 die H0-Anlage Sulzgries im Bau. Test der Abmessungen durch Auflegen der Gleise.
    Bild 11 ist eine H0-Anlage "Esslingen" mit 2-gleisiger Strecke und Straßenbahn
    Bild 12 zeigt die H0-Anlage Esslingen mit Straßenbahn und Autoverkehr. Ein Autoverkehr bereichert jede Modellbahnanlage.
    Die Systeme
    Ob Sie Digitalloks oder normale, analoge Loks ohne Lokdecoder fahren, bleibt natürlich Ihnen überlassen. Ohne irgendeine Signalsteuerung können Sie auch mit Digitalloks nur eine einzige Lok gesichert gegen Auffahrunfälle fahren lassen. Zusätzlich nimmt man in der Regel eine sogenannte Blocksteuerung, bei der ein Zug hinter sich einen Gleisabschnitt stromlos schaltet.
    Der nächste Schritt
    Wenn Sie eine Gleisanlage gebaut haben, werden Sie wahrscheinlich in freudiger Erwartung einen Modellbahntrafo anschließen und eine Lok oder einen Zug fahren. Sind an den Bahnhofsgleisen Schalter zum Abschalten der Stromversorgung angeschlossen, können weitere Züge im Bahnhof abgestellt werden. Manche Modellbahner verwenden auch mehrere Trafos.
    Fahrbetrieb
    Mit zwei oder drei Modellbahntrafos kann man schon einen einfachen Modellbahnbetrieb einrichten. dazu wird die Gleisanlage durch Gleisrennstellen in mindestens drei Gleisabschnitte unterteilt. Der Bahnhof ist ein zusätzlicher Gleisabschnitt, wobei jedes Bahnhofsgleis einen Halteabschnitt bekommt, damit der Fahrstrom abgeschaltet werden kann.
    Während immer ein Zug im Bahnhof steht, können auf der Strecke zwei oder mehrere Züge unterwegs sein.
    Der Bahnhof hat ein Einfahrsignal und für jedes Gleis ein Ausfahrsignal. Der Zugbetrieb kann beispielsweise mit drei Modellbahntrafos oder automatisch mit Signalen ablaufen. Zunächst stellt sich die Frage, wo die Züge im manuellen oder automatischen Betrieb anhalten sollen. Beim automatischen Betrieb müssen abschaltbare Gleisabschnitte eingebaut werden.
    Signale
    Signale sichern den Betrieb mit mehreren Zügen beim Vorbild und beim Modell. Wollen Sie einen zweiten Zug auf die Strecke schicken, dann brauchen Sie ein Signal mit Zugbeeinflussung oder eine Blocksteuerung. Dafür werden beim Zweileitergleis wieder zwei Gleistrennstellen in die rechte Schiene eingebaut. Beim Dreileitergleis (Märklin) muß der Mittelleiter getrennt werden. Dazu muß man mit dem Klingenmesser eine Schienenschwelle aufschneiden und das Kupferband durchtrennen.
    Automatischer Zugbetrieb
    Um den Zugbetrieb auf der Strecke zu sichern, stellt man Blocksignale auf.
    Interessanter wird es, wenn wenn mehrere Züge unterwegs sind und ein Zug hinter sich das Blocksignal auf Halt stellt, und den hinterherfahrenden Zug automatisch anhält. So funktioniert es bei allen der Bahnen der Welt, früher durch einen Bahnwärter, heute automatisch. Das können wir im Modell leicht mit einer beliebigen Blocksteuerung machen, die es im Fachhandel zu kaufen gibt. Ein Gleiskontakt oder ein Gleisbesetztmelder schaltet das Signal auf Halt. Allerdings hält der Zug dann mit einem Ruck an, was nicht schön aussieht. Für langsames Beschleunigen und Verzögern (Abbremsen) gibt es eine Anfahr- und Bremsautomatik oder eine Blocksteuerung mit Anfahrautomatik und Bremsautomatik. Komfortabler ist eine Steuerung, bei der sich zusätzlich die Geschwindigkeiten der Züge, die Beschleunigungen und die Bremswege individuell einstellen lassen. Dann kann man jeden Zug, auch ohne Lokdecoder, mit der Hand am Regler über die Anlage fahren. Eine automatische Einfahrt in Bahnhöfe und Abstellbahnhöfe gehört auch dazu.
    Die IMO ist eine solche Steuerung.
    Die Größe der Anlage
    Die Abmessungen der Anlage richten sich in erster Linie nach dem Platzangebot. Wieviel Platz möchten Sie investieren? Wenn die Anlage mit der Sperrholzplatte nach Gebrauch an die Wand gestellt werden muß, ist eine Größe von 2 x 1 Meter kein Problem. Etwas mehr Platz in der Tiefe beansprucht eine Anlage mit mehreren Ebenen. Aber die Gleisstrecke wird um ein Vielfaches länger, so daß mehrere Züge gleichzeitig fahren können. Platz für weitere Züge bietet ein Abstellbahnhof.
    Jeder fängt einmal klein an
    Im Bild 13 ist eine einfache Anlage der Größe N mit nur einem Gleisoval zu sehen. Das ist das minimale, was man bauen kann. Ihnen selbst wir es wenig Spaß machen, aber es ist ein Anfang und macht sicherlich Kindern Freude. Ist genügend Platz vorhanden, kann die Anlage vergrößert und erweitert werden. Ein zusätzliches Bahnhofsgleis wäre der erste Schritt.
    Trafos anschließen
    Werden mehrere Modellbahntrafos oder Fahrregler an die Gleisanlage angeschlossen, müssen sie an Gleisabschnitte angeschlossen werden, die zumindest mit einer Trennstelle in der rechten Schiene voneinander getrennt sind. Wir betrachten zunächst Gleichstrombahnen. Das Anschließen geschieht über Anschlußgleise oder man lötet die Drähte direkt an die Schienen oder Schienenverbinder an. Anstelle von Modellbahntrafos kann man auch elektronische Fahrregler anschließen. Diese sind zahlreich auf dem Markt, können aber auch leicht selbst gebaut werden. Wenn Sie einen preiswerten Fahrregler suchen und etwas löten können, nehmen Sie beispielsweise die bestückte easy stop-Platine und löten noch einen Leistungstransistor an. Bild 13 zeigt diese Platine mit angelötetem Leistungstransistor. Das Poti (oder Schieberegler) für die Einstellung der Fahrspannung wird auch direkt an die Platine angelötet.
    Das Bedienpult
    Die Potis oder Schieberegler für die Fahrspannung können direkt in die Modellbahnplatte oder ein kleines Stellpult eingebaut werden. Dort finden auch Weichenschalter oder Weichentaster Platz. Im Bild 15 sind sie direkt in die Modellbahnplatte eingebaut. In diesem Fall sollte die Anlagenplatte einen Rahmen bekommen, damit nicht Potis und Weichentaster auf dem Tisch oder Boden kratzen, wenn die Anlage aufgestellt wird.
    Die Zusicherung
    Mit der einfachen Gleisanlage im Bild 13 kann man Züge aufeinander fahren lassen. Das macht besonders Kindern Spaß, aber nicht unbedingt dem Besitzer der Anlage. Deshalb baut er eine Zugsicherung ein, die das verhindert. Hat ein Zug den Bahnhof verlassen, darf kein zweiter Zug nachfolgen dürfen. Das schaffen wir mit einem Gleisbesetztmelder und einem Relais, das den Bahnhof so lange abschaltet, bis keine Gefahr mehr besteht.
    24-fach Gleisbesetztmelder
    Wenn Sie auch zunächst wahrscheinlich nicht so viele Gleisbesetztmelder brauchen, können Sie von der Besetztmelderplatine der IMO einige Gleisbesetztmelder verwenden.
    An diese Platine muß für jede Gleisbesetztmeldung ein zusätzlicher Transisor angelötet werden, der den Fahrstrom des zurückliegenden Gleisabschnittsabschaltet. Beser ist ein zusätzliches Relais. Mit seinem zweiten Relaiskontakt kann dann auch ein Signal geschaltet werden. Bild 14 ist die Besetztmelderplatine mit Transistor und Relais.
    Fahrregler mit easy stop-Modul
    Für einen einfachen Fahrregler mit Impulsdauersteuerung kann man an ein easy stop-Modul einen beliebigen Leistungstransistor anlöten (Bild 15 und Bild 16).
    Modellbahnbetrieb mit Abstandssteuerung
    Eine Abstandssteuerung ist eine Möglichkeit, um Auffahrunfälle von Zügen zu verhindern. Bild 17 zeigt eine Dampflok in Größe H0 mit eingebauter Abstandssteuerung.
    In jede Lok, die gegen Auffahren gesichert werden soll, wird ein easy stop-Modul eingebaut. Der Sensor (Fototransistor) findet in einem der Stirnlichter der Lok Platz. Die Infrarot-Diode kann in ein Rücklicht der Lok eingebaut werden. Die Eingangsspannung des Moduls, wo sonst der Akku angeschlossen wird, wird an die Radschleifer der Lok angeschlossen. Die Motoranschlüsse des Moduls werden an den Lokmotor angeschlossen. Für Rückwärtsfahrt muß der kleine Transistor mit einer Diode überbrückt werden.
    Der Schlußwagen des Zuges sollte auch eine IR-Sendediode haben. Diese kann über einen Widerstand mit etwa 470 Ohm an die Radschleifer des Wagens angelötet werden. Wer keinen Schlußwagen mit Radschleifern hat, kann einen Akku in den letzten Wagen des Zuges einbauen.
    Verstärkung des easy stop-Moduls
    Die Strombelastbarkeit des kleinen Transistors T2 (neben den Motor-anschlüssen) auf der easy stop-Platine reicht nicht für alle Loks aus. Am einfachsten lötet man auf diesen Transistor einen zweiten Transistor drauf. Der IRML6344 ist gut dafür geeignet.


    Weitere Informationen gibt es auf unserer Hefte-CD mit Zeitschriften Modell Elektronik der Jahrgänge 2001 bis 2012 zum Preis von 24,80 Euro




    Bild 1 Modellbahnanlage in H0 mit drei Gleisebenen

    Bild 2
    H0-Anlage Sulzgries mit zweigleisiger Strecke, viergleisigem Bahnhof und 4-gleisigem Abstellbahnhof auf drei Gleisebenen . Abmessungen 2,5 x 1,2 Meter

    Einfache N-Anlage mit Gleisoval


    Bild 3
    H0-Anlage Sulzgries mit zweigleisiger Strecke, Bahnhof und Abstellbahnhof auf drei Ebenen im Bau.


    Bild 4
    H0-Anlage Sulzgries mit drei Gleisebenen. Abmessungen 2,5 x 1,2 Meter mit Straße

    Bild 4 a Gleisplan der Gleisanlage im Bild 4


    Bild 5
    Gleisplan für eine Anlage auf drei Ebenen wie die H0-Anlage Sulzgries, aber ohne Abstellbahnhof

    Bild 5a
    Gleisanlage mit zusätzlicher Strecke auf 4 Ebenen.


    Bild 6 Modulanlage Größe N


    Bild 7
    Z-Anlage mit zweigleisiger Strecke, mit 3-gleisigem Bahnhof und 3-gleisigem Abstellbahnhof (Schattenbahnhof)


    Bild 8
    Z-Anlage fast fertiggestellt


    Bild 9
    H0-Anlage und Z-Anlage im Größenvergleich


    Bild 10
    H0-Anlage Sulzgries im Bau. Test der Abmessungen durch Auflegen der Gleise

    Bild 11
    H0-Anlage Esslingen mit 2-gleisiger Strecke und Straßenbahn

    Bild 12
    H0-Anlage Esslingen mit Straßenbahn und Autoverkehr


    Bild 13
    N-Anlage mit Gleisoval


    Bild 14 Besetztmelderplatine hier für 3 Bahnhofsgleise und Einfahrautomatik in den Bahnhof.


    Bild 15
    Fahrregler mit easy stop-Modul
    easy stop-Platine mit angelötetem Leistungstransistor

    Bild 16 Fahrregler mit easy stop-Modul


    Bild 17 Dampflok Größe H0 mit Abstandssteuerung easy stop-Modul